München: Was hinter Musialas Zusammenbrüchen steckt

Der FC Bayern-Profi Jamal Musiala ist innerhalb weniger Tage zweimal auf dem Spielfeld zusammengebrochen. Nach diesen Vorfällen, die sich bei Testspielen gegen RB Leipzig und den 1. FC Heidenheim ereigneten, äußerte sich der Spieler selbst auf Instagram. Er sprach von „temporär kurz auftretenden, aber gut behandelbaren Absencen, welche auf eine neurologische Dysfunktion zurückzuführen sind“.
Absencen sind eine Form epileptischer Anfälle, bei denen das Bewusstsein kurzzeitig gestört ist. Dies erklärte Andreas Schulze-Bonhage, Leiter des Epilepsiezentrums der Uniklinik Freiburg. Äußerlich können sich diese Anfälle durch ein Zusammensinken äußern, da der Muskeltonus leicht sinken kann. Im Gegensatz zu größeren epileptischen Anfällen verlieren Betroffene bei Absencen nicht unbedingt vollständig das Bewusstsein, sondern erleben eher eine Bewusstseinsveränderung.
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Ursachen und Symptome von Absencen
Laut Christoph Kleinschnitz, Neurologe und Direktor der Klinik der Neurologie am Universitätsklinikum Essen, handelt es sich bei Absenceepilepsie um eine Netzwerkstörung im Gehirn. Dabei entladen sich Nervenzellen nicht einzeln, sondern in einem unnormalen Rhythmus gemeinsam. Dies kann zu einer vorübergehenden Trübung oder einem Verlust des Bewusstseins führen. Symptome können sein, dass Betroffene plötzlich innehalten, starr vor sich hinblicken und verwirrt wirken.
Absencen dauern oft nur wenige Sekunden oder Minuten, und die Betroffenen sind in der Regel schnell wieder orientiert. Sie können in jedem Lebensalter auftreten, sind jedoch laut der amerikanischen Epilepsy Foundation besonders häufig bei Kindern im Alter von 4 bis 14 Jahren zu beobachten. Kurze Absencen werden manchmal fälschlicherweise als Tagträume oder Unaufmerksamkeit interpretiert.


Behandlungsmöglichkeiten und Auswirkungen auf Sportler
Die Behandlung von Absencen erfolgt in der Regel medikamentös. Schulze-Bonhage zufolge können etwa 85 Prozent der Patienten durch Medikamente vollständig anfallsfrei werden. Auch wenn ein vollständiger Erfolg nicht immer möglich ist, können die Anfälle meist so reduziert werden, dass sie nur noch sehr selten auftreten. Wichtig ist die regelmäßige Einnahme der Medikamente, um die Überaktivität der Nervenzellen zu regulieren.
Trotz der Erkrankung können Betroffene, einschließlich Spitzensportler, ein normales Leben führen und ihrem Beruf nachgehen. Schulze-Bonhage betonte, dass die Hirnfunktion zwischen den Anfällen normalerweise völlig normal sei. Er nannte als Beispiel Ronaldo, einen bekannten Fußballer, der ebenfalls an Epilepsie litt und dennoch ein großer Star wurde. Musiala selbst befindet sich nach eigenen Angaben in bester medizinischer Behandlung und sieht sich auf einem guten Weg zur Genesung.


Für Betroffene ist es wichtig, ihr Umfeld über die Erkrankung aufzuklären, da epileptische Anfälle auf Außenstehende erschreckend wirken können. Neurologisches Fachpersonal sollte die Behandlungen durchführen, und es gibt auch Selbsthilfegruppen und Beratungsangebote, beispielsweise bei der Deutschen Epilepsievereinigung.
Source: tagesschau.de