Birmingham: Owen Ansah gewinnt EM-Gold über 200 Meter mit Rekordlauf

Ansahs Goldmedaille und der deutsche Rekord
Owen Ansah hat bei der Leichtathletik-EM in Birmingham sensationell die Goldmedaille über 200 Meter gewonnen. Drei Tage zuvor hatte er bereits Bronze über 100 Meter geholt. Der 25-jährige Athlet lief die doppelte Distanz in 19,95 Sekunden und blieb damit unter der 20-Sekunden-Marke, was ihm den ersten großen Titel seiner Karriere sicherte. Dieser Lauf stellte auch einen deutschen Rekord dar, obwohl die Zeit aufgrund eines zu starken Rückenwinds von 2,5 Sekunden pro Sekunde nicht offiziell anerkannt werden kann.
Ansah, der schon beim Start gut wegkam, zündete am Ende der Kurve den Turbo und ließ die Konkurrenz hinter sich. Zharnel Hughes aus Großbritannien sicherte sich Silber mit 20,16 Sekunden, während sich Eseosa Desalu aus Italien und Timothé Mumenthaler Bronze teilten. Ansah äußerte sich nach dem Rennen in der ARD und sagte, sein Trainer habe immer an sein Potenzial über 200 Meter geglaubt, und er tue dies nun auch. Er betonte, dass er hart trainiert habe und endlich verletzungsfrei durch die Saison gekommen sei, was einen großen Unterschied mache.
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Mit diesem Sieg krönte sich Ansah zum ersten deutschen Europameister über die 200 Meter seit 44 Jahren. Im Jahr 1982 hatte Olaf Prenzler in Athen Gold für die DDR gewonnen. Ansahs Leistung im Halbfinale war ebenfalls bemerkenswert; er stellte eine neue persönliche Bestzeit auf, indem er das Tempo schon zehn Meter vor dem Ziel drosselte. Über 100 Meter hält er bereits den deutschen Rekord mit 9,98 Sekunden.
Weitere Medaillen für Deutschland
Neben Ansahs Erfolg gab es weitere Medaillen für Deutschland bei der Leichtathletik-EM. Emil Agyekum gewann Silber über 400 Meter Hürden. Er ist damit der erste Deutsche seit Harald Schmid, der eine EM-Medaille in dieser Disziplin holte. Fast genau 40 Jahre nach Schmids letztem von drei Europameister-Titeln musste sich Agyekum in 47,87 Sekunden nur dem norwegischen Weltrekordhalter Karsten Warholm geschlagen geben, der 46,63 Sekunden lief.


Agyekum zeigte sich nach seinem Rennen sehr zufrieden. Er sagte in der ARD, er sei sehr entspannt ins Rennen gegangen und habe einfach das gemacht, was er am besten könne. Obwohl er sich noch etwas mehr gewünscht hätte, sei er sehr glücklich und betrachte dies als Belohnung für harte Arbeit und erst den Anfang. U23-Europameister Owe Fischer-Breiholz belegte in 48,56 Sekunden den fünften Platz, wobei ihm zwei Zehntel zu Bronze fehlten.
Auch die Diskuswerferin Shanice Craft sicherte sich eine Silbermedaille. Mit einer Weite von 65,72 Metern musste sie sich lediglich der Niederländerin Jorinde van Klinken geschlagen geben, die mit 67,67 Metern Gold gewann. Vanessa Kamga aus Schweden holte Bronze mit 64,61 Metern. Kristin Pudenz erreichte mit 63,27 Metern den fünften Platz.


Verfahren wegen verweigerter Dopingprobe
Trotz seiner sportlichen Erfolge muss Owen Ansah um die Anerkennung seiner Medaillen bangen. Gegen ihn läuft ein Verfahren, da er am 9. Juli bei einer unangekündigten Dopingkontrolle keine Probe abgab. Die Nationale Anti-Doping-Agentur wertet diesen Vorgang als Verweigerung einer Dopingkontrolle und fordert eine Sperre von vier Jahren. Ansah wehrt sich gegen diese Anschuldigung.
Der Fall wird in den kommenden Monaten in erster Instanz vor dem deutschen Sportschiedsgericht verhandelt. Sollte es zu einer Sperre kommen, würden Ansah sämtliche Ergebnisse aberkannt, die er nach dem Zeitpunkt der Kontrolle über die Dauer der Sperre erzielt hat. Eine Sperre von mehr als einem Monat würde auch die Ergebnisse der Europameisterschaften betreffen.
Source: bild.de