Vollering gewinnt Tour de France Femmes, Niedermaier holt Weißes Trikot

Vollering sichert Gesamtsieg in Nizza
Demi Vollering hat zum zweiten Mal die Tour de France Femmes gewonnen. Die Niederländerin vom Team FDJ United-Suez verteidigte auf der letzten Etappe in Nizza ihr Gelbes Trikot und feierte ihren dritten Etappensieg der diesjährigen Tour. Sie setzte sich gegen ihre Rivalin Kasia Niewiadoma durch, die sie auf dem letzten Berg des Tages, dem Col d’Èze, hinter sich ließ. Vollering überquerte die Ziellinie in Nizza als Solistin.
Mit diesem Erfolg revanchierte sich Vollering für ihre knappe Niederlage gegen Niewiadoma bei der Tour 2024. Damals hatte Niewiadoma den Gesamtsieg mit einem Vorsprung von vier Sekunden vor Vollering errungen. In der Abschlusswertung der diesjährigen Tour lag Vollering 1:18 Minuten vor Niewiadoma. Den Grundstein für ihren Gesamtsieg legte Vollering auf der vorletzten Etappe, als sie Niewiadoma die Führung abnahm und mit einem Vorsprung von acht Sekunden ins Finale ging.
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Die letzte Etappe führte über einen 99,2 Kilometer langen Rundkurs mit vier Überquerungen des Col d’Èze. Vollering attackierte knapp 15 Kilometer vor dem Ziel erfolgreich, woraufhin Niewiadoma nicht mehr folgen konnte. Der zweite Platz auf dieser Etappe ging an die Spanierin Paula Blasi, die 1:04 Minuten nach Vollering ins Ziel kam. Niewiadoma belegte den dritten Platz.
Niedermaier überzeugt mit Nachwuchstrikot
Neben Vollerings Gesamtsieg gab es auch Grund zur Freude für den deutschen Radsport. Die 23-jährige Antonia Niedermaier aus Rosenheim gewann als erste deutsche Fahrerin seit dem Neustart der Frankreich-Rundfahrt das Weiße Trikot der besten Jungfahrerin. Niedermaier, die für den deutschen Rennstall Canyon/SRAM fährt, verbesserte sich zum Abschluss der Tour auf einen starken vierten Platz in der Gesamtwertung und verpasste das Podium nur knapp.
Niedermaier spielte auch eine wichtige Rolle im Team Canyon/SRAM, indem sie am letzten Anstieg der finalen Etappe die Tempoarbeit übernahm. Dies ermöglichte den Angriff ihrer Teamkollegin Niewiadoma, dem jedoch nur Vollering folgen konnte. Bei der Etappe in Nizza belegte Niedermaier zeitgleich mit Niewiadoma den fünften Platz.


Die diesjährige Tour de France Femmes, die am Freitag erstmals auch über den legendären Mont Ventoux führte, wurde von den Veranstaltern als großer Erfolg gewertet. Die fünfte Auflage des Rennens bot spannende Wettkämpfe und hielt die Spannung bis zum Finale aufrecht. Die zahlreichen Fans entlang der Strecke trugen zur guten Stimmung bei. Die Ausgabe 2026 war die längste und anspruchsvollste seit der Neuauflage im Jahr 2022.
Kontroversen und Motivation
Die Tour war nicht ohne Kontroversen. Niewiadoma warf Vollerings Team nach der Zielankunft der 8. Etappe unsportliches Verhalten vor. Sie gab an, von der Französin Celia Gery an einer Schlüsselstelle im Anstieg absichtlich an die Absperrungen abgedrängt worden zu sein. Niewiadoma konfrontierte Gery im Live-TV und äußerte ihren Unmut über das Verhalten, das sie als kindisch empfand und ihr den Respekt vor dem Team nahm.
Vollering selbst wandelte den während der Tour entstandenen Stress in Energie um. Sie erinnerte an die Tour 2024, bei der Niewiadoma als Gesamtsiegerin von einem Sturz Vollerings profitiert hatte. Vollering sagte, sie sei damals auf dem Boden gelegen, während Niewiadoma einfach weitergefahren sei. Dieser aktuelle Streit motivierte sie zusätzlich, wie sie selbst erklärte. Sie wollte zeigen, dass sie diese Tour nicht wegen des Vorfalls gewonnen hatte.
Auf dem letzten Anstieg der Tour attackierte Vollering erneut und löste sich von Niewiadoma. Auf der Abfahrt und den letzten Kilometern bis ins Ziel baute sie ihren Vorsprung weiter aus. Mit diesem Sieg untermauerte Vollering ihre Position als eine der besten Radfahrerinnen der Welt. Sie hat nun zum zweiten Mal die Tour de France Femmes gewonnen und auch zweimal die Spanienrundfahrt. Ihr Grand-Tour-Triple komplettierte sie Anfang Juni mit dem Gewinn des Giro Donne, der Italienrundfahrt der Frauen. Dort wurde Antonia Niedermaier Zweite.
Vollering, eine gelernte Blumenverkäuferin, die erst spät zum Radsport kam, setzt sich auch abseits der Strecke für den Frauenradsport ein. Sie befürwortet längere Übertragungszeiten bei Rennen und warnt junge Frauen vor extremem Abnehmen. Sie sprach auch über mentale Herausforderungen und den Leistungsdruck, den sie verspürt. Einen Etappensieg bei der Vuelta widmete sie ausdrücklich Menschen, die mit mentalen Problemen kämpfen. Vollering sieht Druck als ein Privileg und eine Quelle der Motivation, um ihre vielen Träume auf und abseits des Rads zu verwirklichen.
Source: sueddeutsche.de