DFB stellt Jürgen Klopp als neuen Bundestrainer vor

Klopp will so viel mehr als „nur” Bundestrainer sein - FOCUS online

Klopp übernimmt Nationalmannschaft

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat Jürgen Klopp offiziell als neuen Bundestrainer vorgestellt. Der ehemalige Trainer von Borussia Dortmund und FC Liverpool unterzeichnete einen Vierjahresvertrag, der vom 15. August an bis zur WM 2030 läuft. DFB-Präsident Bernd Neuendorf gab bekannt, dass der DFB-Aufsichtsrat und die Gesellschafterversammlung einstimmig für die Verpflichtung des 59-Jährigen als Chefcoach der Nationalmannschaft gestimmt haben.

Klopp äußerte sich zu seiner neuen Aufgabe mit den Worten: „Ich hab’ Bock.“ Er betonte, dass es seine Aufgabe sei, der Nationalmannschaft zu helfen, und versprach, alles dafür zu geben. Er fügte hinzu, dass es „keine Karriere danach“ gebe, was die Bedeutung dieser Rolle für ihn unterstreicht. Die Nationalmannschaft habe die Fähigkeit, die Deutschen zu verbinden, was diese Aufgabe für ihn besonders mache. Von den Spielern erwarte er, dass sie die Berufung in den Nationalkader als „etwas ganz, ganz, ganz Besonderes“ ansehen.

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Klopp tritt die Nachfolge von Julian Nagelsmann an. Zuvor war er bis 2024 Trainer des englischen Spitzenklubs FC Liverpool. In Deutschland trainierte er vor seiner Zeit in England Borussia Dortmund und den FSV Mainz 05. Zuletzt war Klopp für den Red-Bull-Konzern als sogenannter Head of Global Soccer tätig, wobei sein dort bis 2029 laufender Vertrag aufgelöst wurde. Der DFB wird Red Bull eine Million Euro für Klopps Freigabe zahlen. Dieses Geld soll an die Red-Bull-Stiftung Wings for Life gehen. Teil der Vereinbarung mit Red Bull ist auch, bis zum Jahr 2030 drei Länderspiele in Leipzig auszutragen, der Heimat des von Red Bull gegründeten und gesponserten Bundesligisten RB Leipzig.

Erwartungen und Medienverständnis

Der neue Bundestrainer kündigte an, sich auch intensiv mit den Strukturen des DFB auseinanderzusetzen. Auf die Frage, ob er tief in die Strukturen gehen werde, antwortete Klopp: „Wer Jürgen holt, kriegt ihn.“ Er wolle zwar nicht für andere Entscheidungen treffen, aber dazu beitragen, den deutschen Fußball international wieder erfolgreich zu machen. Klopp wird seinen langjährigen Berater Marc Kosicke mit zum DFB nehmen. Kosicke soll als „Co-Trainer für Strategie, Entwicklung und Innovation“ fungieren.

Im Rahmen seiner Vorstellung richtete Klopp auch eine deutliche Warnung an die Medien. Er erklärte: „Wenn ihr euch danebenbenehmt oder meine Familie nicht in Ruhe lasst, bin ich weg.“ Er ergänzte, dass er ebenfalls gehen würde, wenn die Medien ihn am nächsten Tag als „scheiße“ bezeichnen würden, stellte jedoch klar, dass dies die Meinung mehrerer Kritiker sein müsste und ein einzelner nicht ausreichen würde. In einem solchen Fall würde er auch keine Abfindung fordern.

Dieses Medienverständnis von Klopp wurde von einigen Beobachtern als irritierend empfunden. Er habe den Medienvertretern süffisant mitgeteilt, dass er Journalisten und Interviews während seiner Auszeit als Vereinstrainer nicht wirklich vermisst habe. Trotzdem versuchte der rhetorisch versierte Fußballlehrer eine Annäherung an die Presse, da man den Weg zu einer strahlenden Fußballnation gemeinsam gehen wolle. Klopp betonte: „Ich mache das nicht gegen euch, sondern für euch.“ Er sehe seine Aufgabe als Bundestrainer als selbstlosen Dienst an der Öffentlichkeit, der Loyalität und geduldige Zurückhaltung der Medien erfordere.

Kritik und strukturelle Veränderungen

Klopp wünscht sich von Journalisten Sachlichkeit und den Einsatz des Verstandes. Obwohl er wisse, dass Kritik und Niederlagen zum Geschäft gehören, irritierten seine „feinen, unterschwelligen Drohungen“. Die Aussage „Wenn ihr morgen sagt, der ist scheiße, bin ich weg. Wenn der DFB sagt, so machen wir nicht weiter, bin ich weg“ wurde als verbale Drohung interpretiert, die eine öffentliche Debatte erschweren könnte. Die Verknüpfung dieser Drohung mit dem Schutz der Privatsphäre („Wenn ihr euch danebenbenehmt und meine Familie nicht in Ruhe lasst, bin ich weg“) sei zwar emotional nachvollziehbar, könne aber auch als Schutz vor unliebsamen Fragen dienen.

Diese Haltung wird durch eine strukturelle Veränderung flankiert: Marc Kosicke, Klopps langjähriger Medienberater, wird in den offiziellen DFB-Stab integriert. Dies könnte eine „professionelle Filterblase“ schaffen, deren Ziel die Kontrolle über das Narrativ rund um die Nationalmannschaft sein könnte. Es scheint, als solle eine kritische Begleitung vermieden und stattdessen eine gesteuerte Imagepflege für Klopp und sein Team etabliert werden.

Klopp verwies auch auf den Umgang mit seinen Vorgängern und Kollegen: „Ich mache den Job, obwohl ich mitbekommen habe, wie ihr mit Julian umgegangen seid, wie ihr mit Tuchel umgeht. Es geht nur um die Sache.“ Die „Sache“ scheint eine bedingungslose Unterstützung durch die Medien einzufordern, was wenig Raum für kritischen Sportjournalismus lässt. Unabhängiger Sportjournalismus zeichnet sich jedoch durch kritische Distanz und Analyse aus. Im Rahmen der Vorstellung wurden auch die Co-Trainer Pepijn Lijnders, Peter Krawietz und Sven Bender bestätigt.

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Source: sportschau.de

Laura Koch ist Sportredakteurin und berichtet über Fußball, Sport und aktuelle Ereignisse.

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